STRASSEN.DORF.KULTUR.

Wettbewerbsbeitrag von Julia Pichler und Edith Schroll zum Paving Design Award 2015 – Neugestaltung des öffentlichen Raumes in der Gemeinde Edelstal – ausgelobt vom Forum Qualitätspflaster (FQP) in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur und der Gemeinde Edelstal.

Paving Design Award Header
Die charakteristischen Merkmale von Edels­tal stärken | das Besondere des Ortes betonen  | die historisch gewachsenen Strukturen unterstreichen | Interaktion und Kommunikation ermöglichen | halb-öffentliche und öffen­tliche Freiräume mit hoher Aufenthalts­qualität schaffen

Den bestehenden Charakter und das Besondere des Dorfes zu betonen ist der Grundgedanke des Gestaltungskonzeptes für die Gemeinde Edelstal. Die Gestaltung orientiert sich dabei an den regionaltypisch gewachsenen Strukturen. Als ein wesentliches Merkmal treten hierbei die senkrecht zur Hauptstraße stehenden, langgestreckten, schmalen Grundstücke mit der Streck- und Hakenhoftypologie in den Vordergrund. Die Grundstücks- und Hofstruktur mit ihrem typischen Fassadenrhythmus sowie die Kultur der Kellergassen sollen in Form neuer Gestaltungselemente herausgearbeitet werden, um das Wesen des Dorfes zu unterstreichen.

Die Kommunikation mit den NachbarInnen beginnt im Straßenraum. Durch Vorgärten, die als regionaltypisches Element vor die Wohnbereiche entlang der Hauptstraße vorgelagert werden, wird der Übergang zwischen privatem und öffentlichem Raum neu definiert. Halböffentliche Vorgartenflächen dienen als Pufferraum zum öffentlichen Straßenraum. Die Aneignung, Gestaltung und Pflege dieser halböffentlichen Flächen durch die BewohnerInnen fördert die persönliche Identifizierung mit dem Ort und sorgt für ein lebendiges Straßenbild. Eine individuelle Pflege der Grünflächen entlang der Hauptstraße ist daher wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig. Vielmehr sollen die Vorgärten mit den Sitzmöglichkeiten und Zier- und Nutzpflanzen als Allgemeingut nach dem Prinzip der Allmende verstanden werden und Momente der Kommunikation und Interaktion im Straßenraum fördern.

Die Vorgärten nehmen die Struktur der Parzellen- und Bebauungsstruktur auf und spiegeln diese im Straßenraum wider. Auch Bäume und Sitzbänke entlang der Hauptstraße reagieren auf die Struktur und den Rhythmus der Grundstücksformen in Edelstal. Der Vorgartenbereich setzt sich in der Höhe geringfügig vom umgebenden Straßenraum ab, wodurch die Differenzierung dieses Bereichs zum öffentlichen Raum wahrnehmbar wird.

Straßenansicht im zentralen Bereich.
Straßenansicht im zentralen Bereich

Der zentrale Bereich vor dem Gemeindeamt und dem Gasthaus bis zum Kirchenplatz wird durch die Anhebung der Fahrbahn und einen Belagswechsel betont. Dies bewirkt sowohl eine Verlangsamung des motorisierten Verkehrs und fungiert gleichzeitig als Verbindung zwischen den öffentlichen Einrichtungen der Gemeinde. Neue Bepflanzungen und Sitzmöglichkeiten erhöhen zudem die Aufenthaltsqualität an diesen Plätzen. Ein Farbverlauf in der Pflasterung – umgesetzt durch unterschiedlich gefärbte Naturstein-Pflastersteine – betont zusätzlich die zwei zentralen Punkte im Ort.

Holzlamellen und Bepflanzung am Durchgang Paargasse
Holzlamellen und Bepflanzung durch Paargasse

Die Paargasse dient als verbindendes Element zwischen den öffentlichen Kommunikationsräumen und soll als attraktiver Durchgang fungieren. Holzlamellen an den Mauern nehmen die Struktur der langgestreckten Parzellenformen auf und sorgen in Kombination mit den Bäumen für ein natürlich, angenehmes Durchwandern. Die Beleuchtung wird entlang der Holzlamellenwand geführt, dient der Orientierung und ist ein gestalterisches Highlight im Dunkeln.