VIERSEITHOF.NACHHALTIG.WEITERDENKEN.

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG REGIONALTYPISCHER HOFSTRUKTUREN AM BEISPIEL DER VIERSEITHÖFE IM SÜDLICHEN WALDVIERTEL.

Regionaltypische Baukultur zu erhalten und eine nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes und dessen unverwechselbarer Kulturlandschaft zu sichern, sind die wesentlichen Anliegen meiner Diplomarbeit (VIERSEITHOF NACHHALTIG WEITERDENKEN.).

Vierseithof Nachhaltig Weiterdenken Header

Durch den Strukturwandel der Landwirtschaft und aufgrund von Abwanderungstendenzen aus dem ländlichen Raum kommt es vermehrt zur Notwendigkeit von Nutzungsänderungen und Anpassungen bäuerlicher Hofstrukturen. Um das landschaftstypische Erscheinungsbild der Dörfer zu wahren und zugleich eine zukunftsfähige Entwicklung der Höfe zu erreichen, ist es zielführend, die notwendigen baulichen und strukturellen Anpassungen unter Berücksichtigung der Aspekte der Nachhaltigkeit umzusetzen. In der gegenständlichen Arbeit wird exemplarisch die Typologie der Vierseithöfe als prägendes Element der Kulturlandschaft in der Region des süd-westlichen Waldviertels behandelt.

Um das regionaltypische Gesicht der Dörfer zu wahren, werden Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Weiterentwicklung dieser Bautypologie gegeben, die als leitendes Gerüst dienen sollen, wenn es zu Planungsentscheidungen und baulichen Maßnahmen an den charakteristischen Hofstrukturen kommt. Diese Handlungsempfehlungen kombinieren Grundsätze der Raumplanung, der Denkmal- und Ortsbildpflege, bäuerlicher Traditionen, die Pflege der Kulturlandschaft und Kriterien für ein ressourceneffizientes, energiebewusstes und nachhaltiges Bauen und Planen mit den Anforderungen für eine Neunutzung des Bestandes. Sie forcieren eine nachhaltige Entwicklung, unter der Erweiterung des Begriffs Nachhaltigkeit um einen baukulturell-sozialen Aspekt.

Prannleithen Hof, Yspertal, um 1930
Prannleithen Hof, Yspertal, um 1930
Prannleithen Hof, Yspertal, um 1955
Prannleithen Hof, Yspertal, um 1955

Um die baulichen Entwicklungen der Höfe in die Bahn der Nachhaltigkeit zu lenken, bedarf es vor allem einer Bewusstseinsbildung der örtlich ansässigen Bevölkerung. Denn erst wenn das Besondere der Hoftypologie erkannt und dessen Wert wahrgenommen wird, kann dieser auch erhalten werden. Baukultur ist demnach nicht nur ein Thema von und für PlanerInnen. Vielmehr ist sie ein gesamtgesellschaftlicher Prozess, der eine interdisziplinäre Herangehensweise erfordert und sowohl von der Raumplanung bis zu architektonischen Detaillösungen, auf politischer Ebene wie auch durch bewusstes Wirtschaften umgesetzt werden muss und von der Bevölkerung getragen werden soll. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel von Architektur, Raumplanung, Orts- und Stadterneuerung, Bodenmanagement sowie Kommunikations-, Vermittlungs-, und Beteiligungsprozessen.

 

Die Arbeit spannt demzufolge einen Bogen von Architektur und Denkmalpflege über raumplanerische Planungsgrundsätze bis zu einer sozial verantwortungsvollen Planungskultur. Die aus der umfassende Grundlagenstudie zu den regionaltypischen Bauweisen und den Grundsätzen zu nachhaltigem Planen und Bauen resultierenden Handlungsempfehlungen sollen den politischen EntscheidungsträgerInnen, HofeigentümerInnen und BauherrInnen nahegebracht werden, um die Sensibilität zu schärfen und die Wertschätzung des Kulturgutes der regionaltypischen Hofstrukturen zu stärken. Sie forcieren eine Dorfentwicklungspraxis die nicht top down und von oben verordnend funktioniert, sondern aus der Bevölkerung heraus entsteht.

Rechtlich betrifft der Schutz von regionaltypischen Elementen in der Alltagsarchitektur vorrangig das Thema des Landschafts- und Ortsbildes und fällt daher in die Zuständigkeit der Gemeinden. Aus diesem Grund muss das Thema der baukulturell nachhaltigen Entwicklung des baulichen Erbes vor allem auf Gemeindeebene kommuniziert werden.

 

Mit dieser Arbeit verknüpfe ich die Schwerpunkte meiner beiden Ausbildungsbereiche (Architektur und Kulturtechnik) mit der zukunftsfähigen Entwicklung landwirtschaftlicher Hofstrukturen, die mir sowohl beruflich, als auch privat, ein großes Anliegen ist. Bemühungen, das Besondere dieser überlieferten Baukultur zu vermitteln, gibt es seit den 1970er Jahren. Obwohl seither das Bewusstsein gegenüber ländlicher Baukultur gestiegen ist, so werden immer noch vorwiegend neue Einfamilienhäuser gebaut, während landwirtschaftliche Hofstrukturen und historisch gewachsene Ortskerne daneben leer stehen und verfallen. Ich denke, dass die beschriebene „nachhaltige Entwicklung“ der Dörfer jedenfalls eine Herausforderung darstellt, in einem ganzheitlichen Ansatz und mit einer interdisziplinären Planungspraxis, die stark auf Bewusstseinsbildung und Kommunikationsprozesse setzt, aber freilich funktionieren kann. Vor allem in der Baukulturvermittlung sehe ich Chancen für eine positive Entwicklung der Planungspraxis in den Dörfern.